ſſ‌t oder ſst

Es müſſen ja nicht unbedingt Computer-Schriftarten ſein

ſſ‌t oder ſst

Beitragvon Wolle » 2017-02-25, 19:39

Hallo!

Ich habe ſchon mit viel Intere‌ſſe hier herumgeſtöbert und finde es ganz toll, daſs es dieſes Forum gibt.

Dabei iſt mir aber auch gleich etwas aufgefallen, zu dem ich hier dann keine Antwort gefunden habe (okay, vielleicht habe ich nur nicht ſchlau genug geſucht, dann verzeiht es mir bitte):

Einige ſcheinen hier „ſſ‌t“ zu ſchreiben und andere „ſst“. Das iſt ja nun eine Sache der neuen Rechtſchreibung und läſſ‌t ſich daher nicht mit alten Duden-Ausgaben endgültig klären.

Aber vielleicht könnten diejenigen, die ſich bewuſſ‌t für die eine oder andere Schreibung entſchieden haben, einmal ihre Gründe darlegen? (Oder, wenn ich wirklich nur zum Suchen zu dämlich war, auf die einſchlägigen Stellen verlinken...)

Wie ihr ſchon ſehen konntet, ſchreibe ich „ſſ‌t“, einfach weil ich davon ausgehe, daſs für „ss“ grundſätzlich „ſſ“ ſteht, und „ſs“ nur dort eingeſetzt werden ſollte, wo ein „ſ“ definitiv nicht paſſ‌t, nämlich im Auslaut.
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Re: ſſ‌t oder ſst

Beitragvon Wrzlprmft » 2017-02-26, 09:57

Wolle hat geſchrieben:Einige ſcheinen hier „ſſ‌t“ zu ſchreiben und andere „ſst“. Das iſt ja nun eine Sache der neuen Rechtſchreibung und läſſ‌t ſich daher nicht mit alten Duden-Ausgaben endgültig klären.


Jein. Das lange s wird in der neuen Rechtſchreibung gar nicht mehr erwähnt, alſo begibt man ſich mit ſeiner Verwendung eh auf eigenbrötleriſches Terrain.

Es iſt übrigens auch nicht der Fall, daſs die neue Rechtſchreibung die heyſeſchen s-Schreibung vorſchreibt und dieſe damit im Frakturſatz mit neuer Rechtſchreibung anzuwenden ſei. Richtig iſt, daſs die s-Schreibung der neuen Rechtſchreibung im Antiquaſatz größtenteils deckungsgleich mit der heyſeſchen s-Schreibung iſt. Der Name Heyſe wird in den Rechtſchreibregeln aber kein einziges Mal erwähnt.

Wie geſagt bewegt man ſich mit der Verwendung des langen s auf eigenbrötleriſchem Terrain und muſs damit ſelbſt entſcheiden, was man damit bezwecken möchte. In der Regel iſt es eine hiſtoriſche Wirkung und dementſprechend ergibt es Sinn, die Rechtſchreibung der entſprechenden Zeit zu reproduzieren. Hier wurde eine sst-Schreibung (im Gegenſatz zu ßt) beſtenfalls ſehr begrenzt verwendet, aber es gab ſowohl Vertreter von »ſſt« als auch »ſst« (mehr dazu hier). Andere Motivationen für das lange s ſind Spezialfälle wie dieſes Forum. Hier habe ich mich perſönlich für »ſſt« entſchieden, weil ich es ſchöner finde.
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Re: ſſ‌t oder ſst

Beitragvon mach » 2017-02-26, 10:14

Hallo Wolle und ſchön haſt du zu uns gefunden!

Das mit dem ſst bin wohl ich. Es handelt ſich nicht um die Regelung gemäß Heyſe, ſondern um die Regelung gemäß der Erſten Orthographiſchen Konferenz. Damals wurde die vorletzte Rechtſchreibreform initiiert – abgeſchloſſen wurde ſie erſt mit der Zweiten Orthographiſchen Konferenz 1901, womit der Prozeſs damals deutlich länger dauerte als bei der kürzlich erfolgten Rechtſchreibreform (eher ein zaghaftes Reförmchen).

Gemäß der Erſten Orthographiſchen Konferenz ſteht ſs nicht nur an Wortende, Wortende vor der Kompoſitionsfuge oder vor Nachſilben (Gewiſsheit, eſsbar, vergeſslich), ſondern auch vor Flexionsendungen (muſste, gewuſst, läſst). Dabei geht letzterer Fall über die Analogie zu der Verteilung von ſ und s hinaus, denn vor der Flexionsendung ſchreibt man nicht s, ſondern ſ (löſt, gereiſt). Wobei ich nicht mehr weiß, ob ich denn nicht vielleicht auch in ſolchen Fällen rundes s geſchrieben habe (löst, gereist).

Wenn ich es genau bedenke, dann ſollte wohl ein konſequenter Gebrauch des ſs eigentlich unterſcheiden zwiſchen langem ſ in der zweiten Perſon (du läſſt), wo ja das ſ zur Flexionsendung -ſt gehört, und der dritten Perſon (es läſst), wo das ſs zum Stamm gehört. Aber das iſt ja dann faſt ebenſo abſurd wie dreifaches ſsſ in der zweiten Perſon (du läſsſt). Ich ſteige wohl in Zukunft beſſer um auf konſequentes ſſt, wie auch Wrzlprmft es macht.
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Re: ſſ‌t oder ſst

Beitragvon Wolle » 2017-02-26, 20:02

Vielen Dank für die Antworten.

@Wrzlprmft: Das war mir ſchon klar, daſs meine Frage ſich nicht mit den neuen Rechtſchreibregeln beantworten ließ. Ich meinte, daſs „sst“ eine Sache der neuen Rechtſchreibung iſt, d.h. vorher nicht vorkam.

Jetzt habe ich gleich eine Anſchluſsfrage, die eigentlich in einen anderen Bereich gehört, aber dafür mache ich nicht direkt wieder einen neuen Thread auf.

Als ich ſ, ſ und t tippte, machte das Programm daraus „ſſt" (d.h. erst ſ und dann die Ligatur ſt). Nachdem ich mir das ein paarmal durchgeleſen und vor allem optiſch auf mich hatte wirken laſſen, gefiel es mir immer weniger, daſs die beiden ſ unterſchiedliche Formen hatten. Deswegen habe ich das überarbeitet und zwiſchen ſſ und t ein ZWNJ eingefügt. Das Ergebnis fand ich etwas beſſer, auch wenn es dann wieder ſtörte, daſs ſ und t weiter auseinander waren als bei einem einfachen ſt.

Von daher aber die Anſchluſsfrage: Hat eigentlich ſchon jemand eine Ligatur für „ſ‌ſ‌t“ angedacht? Damit der zweite und der dritte Buchſtabe wie ein ſt ausſehen, aber eben auch der erſte und der zweite gleich?
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Re: ſſ‌t oder ſst

Beitragvon Wrzlprmft » 2017-02-26, 20:21

Wolle hat geſchrieben:Ich meinte, daſs „sst“ eine Sache der neuen Rechtſchreibung iſt, d.h. vorher nicht vorkam.

Das ſtimmt wiederum auch nicht ganz (ſiehe einen meiner Links).

Wolle hat geſchrieben:Jetzt habe ich gleich eine Anſchluſsfrage, die eigentlich in einen anderen Bereich gehört, aber dafür mache ich nicht direkt wieder einen neuen Thread auf.

Und welchen Vorteil hat das? Richtig, gar keinen. Es geraten nur Dinge durcheinander und Information iſt ſchwerer zu finden. (Iſt jetzt nicht beſonders gegen Dich gerichtet; ich weiß daſs dieſe Denke in Foren üblich iſt; ſie iſt trotzdem unſinnig und einer der Gründe, warum viele Foren unbrauchbar ſind.)

Wolle hat geſchrieben:Als ich ſ, ſ und t tippte, machte das Programm daraus „ſſt" (d.h. erst ſ und dann die Ligatur ſt). Nachdem ich mir das ein paarmal durchgeleſen und vor allem optiſch auf mich hatte wirken laſſen, gefiel es mir immer weniger, daſs die beiden ſ unterſchiedliche Formen hatten.


Das ſollte idealerweiſe nicht paſſieren. Die Vektorformen der beiden ſ ſind abſolut identiſch. Was ſein kann, iſt, daſs Hinting die beiden ſ unterſchiedlich behandelt. Das läſſt ſich leider nur dadurch verhindern, kontextuellen Formen ſtatt einer Ligatur zu verwenden, was auch prinzipiell die vorgeſehene Löſung für ſo einen Fall iſt, aber leider die einfache Umſetzung des hiſtoriſchen Sperrſatzes unmöglich macht.
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